Silvester in Wien | Teil 2: Neujahrstraditionen


Warum der 1. Jänner das neue Jahr einläutet

Wie es sich viele von euch schon einmal gedacht haben: der 1. Januar hieß bei uns in Österreich nicht immer Neujahr und Neujahr war auch nicht immer am 1. Januar! Neujahr wird überall auf der Welt anders gefeiert, teilweise auch an komplett anderen Tagen und zu anderen Jahreszeiten- das haben wir unter anderem den unterschiedlichen Kalendern zu verdanken.

Im Gegensatz zu anderen Kulturkreisen wie z.B. in Russland, Ägypten, Brasilien etc., halten wir in Bezug auf die Jahreswende die römische Tradition aufrecht und feiern vom 31. Dezember auf den 1. Januar.

Bevor Papst Innozenz XII. 1691 den Neujahrstermin endgültig und offiziell (153 v. Chr. war es bereits vom 1. März auf den 1. Januar verschoben worden, jedoch wurde regional noch unterschiedlich gefeiert) auf den 1. Januar festlegte, war Neujahr ursprünglich der achte Tag der Weihnachtsoktave seit der Wintersonnenwende, die rund um den 21. Dezember und oftmals mit einem großen Julfeuer gefeiert wird.

Dieses heidnische Brauchtum wird sogar heute noch in ganz Österreich zelebriert. 

Wieso "rutschen" wir ins neue Jahr? 

Schon seit den Römern galt Neujahr als Glückstag und wurde mit Geschenken und Glückwünschen gefeiert. Dieser Brauch spiegelt sich heutzutage im Schenken von Glücksbringern und natürlich dem „Guten Rutsch“-Wünschen wieder.

Die Beglückwünschung „guter Rutsch“ kommt überraschenderweise nicht vom „Hinüberrutschen“ ins neue Jahr, sondern leitet sich von der Bezeichnung des jüdischen Neujahrsfests, dem „Rosch ha-Schana“, ab. 

Früher wurden Kinder an Silvester beschenkt
Früher wurden Kinder an Silvester beschenkt

Anders als heute wurden die Kinder damals zu Neujahr mit Süßigkeiten und Spielereien beschenkt.

 

Diese Tradition hat sich erst im 19. Jahrhundert dahingehend geändert, dass Kinder zu Weihnachten Geschenke bekommen und der geschmückte Christbaum die Kinder – und natürlich auch die Erwachsenen – mit Süßigkeiten verlockend anlacht.

 

Im Laufe der Zeit kam auch noch die Tradition des Adventkalenders hinzu. 

Glücksbringer zu Neujahr - die Römer sind schuld!

Schweine sind ein Symbol für Glück im neuen Jahr
Schweine sind ein Symbol für Glück im neuen Jahr

Glücksbringer in Form von Kleeblättchen oder grüne Kleestöckchen gehen ebenso auf die Römer zurück und erinnern an die römischen Strenae (= Zweige), daher auch die Redewendung „auf einen grünen Zweig kommen“. 

Münzen sollen Geld symbolisieren: wer jetzt Geld hat, hat es auch das ganze Jahr hindurch.

Zu den Symbolen für Reichtum zählt auch das Hufeisen: der Besitz eines Pferdes war damals kaum leistbar und daher viel wert.

In ländlichen Gegenden war man von der Fruchtbarkeit der Umgebung abhängig, dafür stehen die Symbole des Pilzes und Fisches.

 

Das Schwein galt in Europa als Symbol für Wohlstand und Fruchtbarkeit, eine Tradition besagt, dass zu Neujahr Schweinefleisch gegessen werden sollte, um das kommende Jahr Glück zu haben.

Neben dem Ansehen als Glückstag wird in manchen alten lateinischen Kalendern vor dem Neujahrstag gewarnt, da es sich ursprünglich um einen sogenannten „Schwendtag“, einem Unglückstag, handelte. Weitere Bezeichnungen sind auch noch Los- bzw. Großer Lösseltag, welche auf den „Lösselbräuchen“ (Brauch der Zukunftsvorhersagen) basieren. 

 

Orakel wurden bereits in der römischen Antike befragt und wird auch noch heute in Form von Blei- oder Wachsgiesen in der Silvesternacht praktiziert. Damals galten die Fragen und Opfergaben, neben Jupiter und Juno, vor allem dem doppelgesichtigen Janus, der die Vergangenheit und Zukunft symbolisiert und von dem sich der Name Januar bzw. Jänner ableitet.

Neben dem allseits bekannten Bleigießen gibt es in Österreich z.B. das Hütlheben, das Glücksgreifen und früher das Pantoffelwerfen der Mädchen in Bezug auf Heiratsfragen.

Krankheit, Tod und die Wilde Jagd

Rauchfangkehrer bringen uns das ganze Jahr Glück ins Haus
Rauchfangkehrer bringen uns das ganze Jahr Glück ins Haus

Auch heute noch im Aberglauben behaftet, ist der Glaube an die sogenannte „Übergangszeit“.

Damit meinen wir unter anderem den Spruch: „So wie das Jahr beginnt, so endet es auch.“  Wenn das Jahr zum Beispiel mit einem Glückssymbol anfängt (wie z.B. die Begegnung mit einem Kind oder einem Rauchfangkehrer) so endet das Jahr auch glücklich. Beginnt es mit einem Pechsymbol (z.B. eine schwarze Katze), so endet das Jahr auch unglücklich.

In Wien gingen daher die Rauchfangkehrer damals dazu über, die Kalender möglichst als erste am Neujahrsmorgen zu verteilen; heutzutage ist dieser Brauch in die Vorweihnachtszeit übergegangen.

Ein weiterer Aberglaube besagt, dass keine Wäsche zu dieser „Zwischenzeit“ gewaschen und aufgehängt werden soll, da dies Pech, und im schlimmsten Fall sogar den Tod, bringen kann.

Regional sind unterschiedlichste Überlieferungen bekannt, u.a. soll keine Bettwäsche gewaschen und aufgehängt werden, da geglaubt wird, dass diese Leintücher im Laufe des neuen Jahres als Leichentücher dienen müssen, da z.B. die Seelen, die während der Rauhnächte umherziehen, in die aufgehängten Kleidungsstücke fahren können und so den Menschen im neuen Jahr Krankheiten und den Tod auf den Hals hetzen. Auch könnte sich die „Wilde Jagd“ mit ihren Geisterschaaren darin verhängen und über Frauen herfallen. 

Unerledigte Arbeit wird oftmals als schlechtes Omen angesehen, daher soll man die Wäsche nicht mit ins neue Jahr nehmen, da dies zu noch mehr Arbeit führen könnte.

 

Die Rauhnächte und ihre Wilde Jagd sind eine ganz andere interessante Geschichte, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass dieses Wäsche-Verbot durchaus praktische Gründe hatte: zu dieser Zeit wurden und werden die Häuser mit Weihrauch ausgeräuchert, um das Böse zu vertreiben und verrauchte Wäsche hat wohl niemand gerne!

 

Tatsächlich sind unsere Bräuche und Traditionen tief in der Vergangenheit verwurzelt, haben sich weiterentwickelt, verändert und auch neue sind hinzugekommen! Das Feiern der Jahreswende ist fest in uns verankert und wird von uns sicherlich noch viele Jahrhunderte lang gefeiert und mit unseren Liebsten verbracht. Wir alle hoffen auf ein gutes neues Jahr mit mehr Liebe, Frieden, Erfolg, Glück und Beständigkeit!

 

Wie feiert ihr den Start ins neue Jahr? Hinterlasst uns doch ein Kommentar- wir freuen uns auf eure Antworten =)

 

Euer ArchäoNOW- Team


Text:

Manuela Supan, BA.

Teil des ArchäoNOW-Teams und Studentin der "Urgeschichte und Historischen Archäologie" 

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