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Die Katakomben von Wien

Die Totenstadt von Wien und ihr schauriges Erbe 


In unserem letzten Artikel haben wir uns mit der Geschichte des Stefansfreithof beschäftigt. Viele von euch wissen sicher noch, dass dieser 1732 für Bestattungen gesperrt und 1783 gänzlich aufgelassen wurde. Einige Grabsteine dieses Friedhofs zieren noch heute das Mauerwerk des Stephansdoms, doch was ist mit den Toten passiert? 

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir einen Blick in die Totenstadt Wiens alias Katakomben Wiens riskieren - doch Vorsicht, nichts für schwache Nerven!

Wiener Katakomben mit Miriam Weberstorfer (Fotocredit: Andreas Balaz)
Wiener Katakomben mit Miriam Weberstorfer (Fotocredit: Andreas Balaz)

Wiens verborgene Totenstadt - selbst entdecken bei einer Katakombenführung!

Die Tiefen der Wiener Katakomben (Fotocredit: ArchäoNOW)
Die Tiefen der Wiener Katakomben (Fotocredit: ArchäoNOW)

Beim Betreten des Stephansdoms kann man sich kaum vorstellen, dass sich unweit vom Altar, im südlichen Seitenschiff, der Eingang zur „Unterwelt“ Wiens befindet - den Katakomben.

 

Wer sich dazu entschließt, die Treppen hinabzusteigen, erreicht zunächst die renovierte Herzogsgruft. Diese wurde bereits im 14. Jahrhundert angelegt und vor allem unter Maria Theresia weiter ausgebaut. Die Herzogsgruft war der erste Bauabschnitt der später so genannten „Katakomben von St. Stephan“ und diente den Habsburgern bis über die Mitte des 16. Jahrhunderts hinaus als wichtigste Familiengrablege.

 

Zunächst wirkt der Anblick der Herzogsgruft befremdlich – hinter Drahtgittern stehen prunkvoll verzierte Metallgefäße, in denen sich die Innereien der Habsburger befinden - in Wien war es üblich, dass die Körper der Adelsfamilie ausgeweidet und die Innereien separat in Metallgefäßen, die mit einer konservierenden Alkohollösung befüllt waren, aufbewahrt wurden.

 

Die innereienlosen Körper wurden anschließend in der Kaisergruft unter der Kapuzinerkirche und die Herzen in der Herzgruft der Augustinerkirche bestattet. Diese Form der Teilbestattung, bei der Körper, Innereien und Herz voneinander getrennt wurden, entwickelte sich aus einer Notwendigkeit heraus, nämlich der positiven Auswirkung auf die Konservierung des Leichnams. Zur damaligen Zeit gab es keine Möglichkeit den Körper zur Gänze zu konservieren, daher versuchte man durch die Entfernung der Organe eine Verwesung während der Leichenüberführung bzw. der Aufbahrung zu vermeiden. Im mittelalterlichen Europa nahm diese Art der Teilbestattung mit der Zeit institutionelle Formen an, die vor allem dem katholischen Hochadel vorbehalten waren.

Die nächsten, angrenzenden Grüfte sind die Bischofsgruft und die Domherrengruft. Wie der Name bereits vermutet lässt, wurden hier die Wiener Kardinäle und Erzbischöfe bzw. die Mitglieder des Domkapitels beigesetzt. Diese wurden nicht, wie die Habsburger, getrennt von ihren Innereien, sondern hinter Marmorplatten bestattet. Diese drei Grüfte bilden heute den ältesten Teil der Katakomben

Die Neuen Grüfte

Die Neuen Grüfte von Wien (Fotocredit: ArchäoNOW)
Die Neuen Grüfte von Wien (Fotocredit: ArchäoNOW)

Der schaurigste Teil der Katakomben, die Neuen Grüfte, wurde 1744 erbaut - ein Netzwerk aus gut 30 Grabkammern, das sich nicht nur unterhalb des Stephansdoms, sondern über den gesamten Stephansplatz und darüber hinaus erstreckt.

 

Rezent sind zwei Stockwerke bekannt, jedoch wird ein drittes vermutet, welches aber durch einen Grundwassereinbruch nicht mehr betretbar ist.

 

Ebenfalls erkennt man noch die Verbindungsgänge zu den angrenzenden Häusern, die früher aus Platznot als Karner, also als "Beinhaus", genutzt wurden.

 

Heute sind diese Verbindungsgänge zugemauert und teilweise beschriftet, jedoch lassen sie noch erahnen, welches Ausmaß die Totenstadt von Wien gehabt haben muss.

Nachdem 1732 der Stephansfreithof für Bestattungen gesperrt wurde, wurden in den Katakomben nicht nur die Toten des Friedhofs wiederbestattet, sondern "neue Bestattungen" dazugelegt. Die Toten wurden hierbei, mit und ohne Sarg, bis zur Decke übereinandergestapelt. Sobald eine Gruft voll belegt war, wurde diese zugemauert und eine neue Grabkammer angelegt. Da es nicht selten bis zu einem Jahr gedauert hat, bis eine Gruft voll belegt war, hat bei vielen der Leichen bereits vor der Schließung der Kammer die Verwesung eingesetzt.  Der Gestank der Verwesung musste enorm gewesen sein und Berichten zufolge drang dieser sogar immer wieder durch den Bodenbelag des Stephansdoms, welcher daraufhin sogar gesperrt werden musste. 

"Gruselführung" Katakomben von Wien - früher und heute

Knochenberge in den Wiener Katakomben (Fotocredit: ArchäoNOW)
Knochenberge in den Wiener Katakomben (Fotocredit: ArchäoNOW)

Bis zum endgültigen Verbot der Katakombenbestattungen 1783 wurden weit über 10.000 Menschen unter dem Stephansdom bestattet.

 

Ein Teil der Neuen Grüfte des Stephansdoms ist heute noch im Zuge von Führungen für Besucher zugänglich. Durch dicke Eisengitter hindurch können die Knochenberge und Sargreste der damaligen Bestattungen betrachtet werden.

 

Besonders spannend ist, dass solche „Gruseltouren“ durch die Katakomben bereits seit 200 Jahren existieren. Der älteste Bericht über eine Gruftführung stammt von Frances Trollope, die im Dezember 1836 die Wiener Katakomben besuchte. Hier ist er:

„Wir erreichten eine große viereckige Gruft, wo unser Führer haltmachte und uns, indem er das Licht niedrig hielt, auf dem Boden, der von ungeheuren Massen widerlichen Moders hügelig war, eine Menge ganz nackter Leichen, ohne Särge und in jeder Stellung, zeigte, wie sie der Zufall nur hatte bewirken können … Nachdem unser Führer uns Zeit gelassen hatte, uns umzusehen und die ganze abscheuliche Szene zu überblicken, fasste er einen dieser kläglichen Überreste eines menschlichen Wesens an der Gurgel, hob die Leiche vor unseren Augen empor, ließ sie vor uns aufrecht stehen, schwenkte dabei seine Fackel so, dass wir sie in ihrer ganzen Hässlichkeit sehen konnten, [...] dann ließ er die rasselnde Leiche vor unseren Augen hinfallen, hob eine andere auf, sagte, dass sie ein Frauenzimmer wäre, erhob dann eine dritte, stützte sie mit der Hand, womit er das Licht hielt, gegen seinen Körper und riss mit der anderen lange Streifen der vertrockneten Haut auf, um zu zeigen wie zäh sie sei.“

Ganz so furchterregend und makaber sind die heutigen Katakombenführungen nicht, dennoch ist Gänsehautfeeling garantiert! Wer sich also für die Geschichte Wiens und deren Toten interessiert, hat nun drei Möglichkeiten:

 

Escape the Hofburg

Hier erwarten euch die düsteren Katakomben als virtuelles Spielerlebnis. Taucht ein in eine Welt voll kniffliger Rätsel, die mit Virtual und Augmented Reality gelöst werden müssen. Die letzte Aufgabe von Escape the Hofburg führt euch via Smartphone direkt in die Unterwelt zu einem alten Sarg, den es zu öffnen gilt. Könnt ihr das Vermächtnis von Johann Carro finden und die Menschheit retten?

Spezialführung

Als Add-on für eure Rätselrallye bieten wir eine Spezialführung durch die Katakomben des Stephansdoms an. So habt ihr die größten Gruftanlagen Wiens sicher noch nicht erlebt. Ein Programm für alle, die sich nicht mit 0815-Führungen im Untergrund zufrieden geben und auch inhaltlich tiefer in das Reich der Toten eintauchen möchten. Unser Guide wird für euch Licht in die dunkle Vergangenheit bringen.

Die schaurige Stadt

Es gibt nicht viele, die über die schaurigen Orte, Geisterhäuser und verborgenen Folterkeller der Wiener Innenstadt Bescheid wissen.

Wer es wagt auf eine Vampir- und Gespensterjagd zu gehen, für den ist hier Gänsehautfeeling garantiert. Bei dieser Rätselrallye kommt ihr Rätseln und Geheimnissen echter, geschichtlich dokumentierter Schauerplätze des alten und morbiden Wiens auf die Spur.


 

An dieser Stelle möchten wir Florian Bauchinger, unserem hervorragenden Tour-Guide, danken, dass er uns in die schaurige Welt der Wiener Totenstadt entführt und wieder heil zurück gebracht hat!

 

Wir wünschen euch noch eine schaurige Zeit!

 

Euer ArchäoNOW-Team


Text:

Sarah Ambichl, BSc.

Teil des ArchäoNOW-Teams und Studentin der Anthropologie und Archäologie

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Kommentare: 2
  • #1

    prantner margit (Dienstag, 23 August 2022 11:28)

    ist es möglich, am 09.09.2022, Uhrzeit beliebig, eine Katakombenführung zu buchen?
    mfg prantner margit

  • #2

    Miriam Weberstorfer (Dienstag, 23 August 2022 11:35)

    Ja. Schreiben Sie uns dafür bitte eine E-Mail an: team@archaeo-now.com.
    Herzliche Grüße

ArchäoNOW

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