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Schauriges Wien | Der Fluch der Habsburger

Die Habsburger - eine verfluchte Familie zwischen Unglück und Tod


In Wien sind sie fast allgegenwärtig: die Habsburger. Hört man das Wort Habsburg, kommen einem sofort Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Maria Theresia in den Sinn.

Dass die Habsburger ursprünglich aus der Schweiz (heute Kanton Aargau) stammen und ihren Sitz auf der sogenannten Habichtsburg – kurz Habsburg – bis ins 13. Jahrhundert hatten, ist gemeinhin bekannt. Auch für ihre Reformen, ihre exzentrischen Persönlichkeiten und ihre lange Herrschaftstradition sind sie weltweit berühmt. Aber, dass dieses Herrschergeschlecht von Gevatter Tod mit Schritt und Tritt verfolgt wurde, spiegelt sich ebenfalls in ihrer Geschichte wieder. Kaum ein Habsburger ist friedlich entschlafen; ein gewaltsamer Tod oder Selbstmord sind mehr die Regel als die Ausnahme. Doch woher kommt dieser Fluch? Wer hat ihn ausgesprochen und welches Unheil hat er vollbracht? Mit diesen Fragen begeben wir uns heute auf die Spuren dieses alten Fluches...

Der Beginn des Fluchs der Habsburger

Der Ursprung des Fluches : Rudolf I.  (Copyright: Österreich. Nationalbibliothek)
Der Ursprung des Fluches : Rudolf I. (Copyright: Österreich. Nationalbibliothek)

Einer Sage zufolge erwartete eine junge Dienstmagd im 13. Jahrhundert von ihrem Burgherrn ein Kind, jedoch war sie einem Mitbürger zur Ehe versprochen worden. Dieser löste die Verlobung auf, als er von der Liebschaft erfuhr. In ihrem Zorn und ihrer Trauer verfluchte die junge Frau sowohl ihr Kind, als auch dessen Vater sowie den ehemaligen Verlobten. Der Burgherr erwürgte sie voller Wut. Doch der Fluch über die Erbfolge war schon gesprochen worden und konnte nicht mehr gebrochen werden. Sie wünschte der Nachkommenschaft Krankheiten, besonders bei Neugeborenen und vor allem in Bezug auf Söhne. Bei dem Burgherrn soll es sich um Rudolf I. gehandelt haben.

 

In dieser Überlieferung spiegeln sich die charakteristischen Stände des Mittelalters als auch das Grundprinzip der Leibeigenschaft und dessen wirtschaftlichen Strukturen wieder. Ob es diesen Vorfall wirklich gegeben hat, ist nicht erwiesen.

Eine Reihe von Erfolgen sowie Misserfolgen führen nicht zwangsläufig auf einen Fluch zurück.

Von einem Fluch kann gesprochen werden, wenn negative Ereignisse ein gewisses Muster annehmen oder sich nahezu wiederholen. Dann kann die mögliche Existenz eines Fluches in Erwägung gezogen werden. Bei den Habsburgern zeichnete sich der Fluch folgendermaßen ab: sobald der Gipfel des Erfolges während einer Regierungsherrschaft erreicht worden war, kam meist ein jäher Umschwung ins Gegenteil. So als sei ihnen ein längeres Glück nicht vergönnt.

 

Den ersten, den der Fluch vermutlich traf, war Albrecht VI., Graf von Habsburg, Vater des berühmten Rudolf IV./I. von Habsburg. Dieser wurde bei einer Routinepatrouille während des fünften Kreuzzugs von einem arabischen Söldnertrupp kurz vor seiner geplanten Heimreise getötet. Die Ironie dabei ist, dass er die größeren Schlachten alle überlebt hatte. Über seine Territorien herrschte er etwa 7 Jahre lang, jedoch nicht ohne Erbstreitigkeiten und viele Mühen. Schlussendlich verstarb er nicht einmal mit 30 Lebensjahren.

 

Sein Sohn Rudolf erlebte einen großen Aufschwung, er wurde 1273 zum ersten römisch-deutschen König aus dem Geschlecht der Habsburger gewählt und vom Erzbischof Engelbert II. zum König gekrönt. 1276 verstarb sein Sohn Karl bereits im Säuglingsalter. 1278 stand er am Gipfel seiner Macht, danach musste er mit einer Reihe von weiteren Schicksalsschlägen kämpfen: seine Gemahlin Anna, die ihm bereits viele Kinder gebar, schenkte ihm noch zwei weitere Kinder, die jedoch beide im Säuglingsalter verstarben: Kurz nach deren Tod starb seine Frau im Jahr 1281. Im selben Jahr ertrank sein 18-jähriger Sohn Hartmann. Die letzten Jahre von Rduolf waren von Leid geprägt, allen voran aufgrund der Erbstreitigkeiten um das Thronfolgerecht. Er starb mit der Ungewissheit, welches Schicksal sein Reich, an dessen Aufbau er maßgeblich gewirkt hatte, treffen wird.

 

Sein Sohn Albrecht V./I. litt drei Jahre nach dem Tod des Vaters an einer „fremdartigen“ Krankheit, bei der es sich jedoch um die Folgen eines Giftanschlages handelte. Die „Heilmethoden“ förderten jedoch keinen Genesungsverlauf, sondern schädigten den Körper und er erblindete auf einem Auge. Er wurde – trotz Erwerb der Königskrone 1298 – von einer Pechsträhne, geprägt von Aufständen, Intrigen und Schlachten, verfolgt. Er wurde schlussendlich von seinem Neffen Johann von Schwaben, auch genannt der Onkelmörder, und drei Schweizer Freiheitskämpfern in der Nähe der Habsburg erstochen.

Der Fluch der Habsburger- wohl nicht nur Aberglaube

Der Fluch der Habsburger wirkte sich jedoch nicht nur auf die Gesundheit der Adelsfamilie aus, er hatte auch Auswirkungen auf das Kriegsgeschick der Habsburger: in der Schweiz wurde zwischen den Eidgenossen und den Habsburgern 1315 die Schlacht am Morgarten ausgetragen, jedoch gelang den Schweizern ein überraschender Sieg. Die Schweizerische Eidgenossenschaft war mit etwa 1.500 Mann in der Minderzahl, die österreichische Armee mit etwa 9.000 Mann, davon etwa 2.000 Ritter, deutlich überlegen, sehr gut organisiert, von einem kampferfahrenen Feldherr angeführt, mit ortskundigen einheimischen Adeligen als Unterstützung ausgestattet. Dennoch wurden sie von den freien Schweizern besiegt – Herzog Leopold I. von Österreich entkam nur mit Müh‘ und Not. Österreich verlor etwa 2.000 Mann, die Eidgenossenschaft etwa 12. Daher munkelte man schon damals, ob die Habsburger nicht doch verflucht seien.

 

Der Fluch manifestierte sich nicht nur in Fehden und in der daraus folgenden wirtschaftlichen Hinsicht, sondern auch durch Krankheiten, welche sicherlich durch die stark betriebene Heiratspolitik innerhalb der Familie – das wohl berühmteste Beispiel ist Kaiser Franz Joseph I. und seine Gemahlin Kaiserin Elisabeth, sie waren Cousin und Cousine – begünstigt wurden und erbliche Belastungen wie geistige und körperliche Beeinträchtigungen vermehrt zum Vorschein brachten. 

 

Karl II., König von Spanien und letzter Habsburger der spanischen Linie, wurde aufgrund seiner körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen „der Verhexte“ genannt und kann als Beispiel angesehen werden. Er hatte Ödeme am ganzen Körper, konnte mit 39 Jahren nicht mehr aufstehen, hatte Halluzinationen, fiel schlussendlich ins Koma und starb 1700 ohne erbfolgeberechtigte Nachkommen. Sein Tod löste den Spanischen Erbfolgekrieg aus.

Kaiserin Maria Theresia (Copyright: Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebs G.m.b.H.)
Kaiserin Maria Theresia (Copyright: Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebs G.m.b.H.)

Auch Kaiserin Maria Theresias Leben war mit Schatten behaftet: 1765 stirbt ihr geliebter Mann Franz I. Stephan kurz nach der Hochzeit ihres Sohnes Leopold II.- vermutlich an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Seither trug sie nur noch schwarze Witwentracht.

 

Ihr Lieblingssohn Karl Joseph von Österreich starb bereits im Alter von 15 Jahren an den Pocken. Dank seines Charismas, seiner Intelligenz und Extrovertiertheit wurde er vom gesamten Hof geachtet und wäre ursprünglich nach dem Tod seines Bruders Joseph II. 1790, welcher an Tuberkulose verstarb, dessen Nachfolger geworden.

Maria Antonia, Tochter Maria Theresias und vor allem als Marie-Antoinette bekannt, wurde Opfer der Französischen Revolution und im Oktober 1793, 3 Monate nach ihrem Mann Ludwig XVI., nach einem kurzen Prozess durch die Guillotine hingerichtet.

 

 

Der Fluch der Borbála Skerlecz de Lomnicza

Kaiser Franz Josephs I. Leben beutelten sehr viele Schicksalsschläge. Es war von Unruhen geprägt und deutete bereits eine Katastrophe und die Auflösung der Monarchie an. Vielleicht ist dieses Ende einer Ära auf einen weiteren Fluch zurückzuführen, der 1849 über Franz Joseph von Borbála Skerlecz de Lomnicza gesprochen wurde. Sie war die Mutter des Grafen Lajos Batthyány, erster Ministerpräsident des Königreichs Ungarns, der während der Separationsbestrebungen Ungarns verhaftet und trotz vieler Proteste und Gesuch um Gnade zur Hinrichtung verurteilt und aufgrund eines missglückten Selbstmordversuches erschossen worden ist. 

Aufgrund der Ablehnung des Gnadengesuchs verfluchte sie den Kaiser mit folgenden Worten: „Himmel und Hölle solle sein Glück vernichten, sein Geschlecht soll vom Erdboden verschwinden, und er selbst soll heimgesucht werden in den Personen derer, die er liebt! Sein Leben sei der Zerstörung geweiht und seine Kinder sollen elend zugrunde gehen!“

Franz Joseph verlor zwei seiner Kinder: seine Tochter Sophie bereits im Alter von 2 Jahren und seinen Sohn Rudolf. Der Kronprinz von Österreich-Ungarn nahm sich gemeinsam mit Baronesse Mary Vetsera 1889 auf Schloss Mayerling sein Leben. Erzherzog Karl Ludwig, Bruder des Kaisers, starb 1896 an einer „Reisekrankheit“, die er sich im Zuge einer Reise nach Ägypten und Palästina zugezogen hatte.

 

Der Kaiser von Mexiko, Maximilian I., ein weiterer Kaiserbruder, wurde nach nur drei Jahren Regierungszeit 1867 von der Gegenregierung gefangen genommen, von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt und erschossen. Seine Frau Charlotte von Belgien erlitt während der Kämpfe gegen die Revolutionären einen Nervenzusammenbruch, verfiel nach Maximilians Tod dem Wahnsinn und starb 1927.

 

Kaiserin Elisabeth, unsere „Sisi“, wurde 1898 in Genf von Luigi Lucheni mit einer Feile ermordet. Ihr Tod war wohl des Kaisers größter Schicksalsschlag. 

 

Beim Attentat von Sarajevo im Jahr 1914 wurden Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie beim Einbiegen in die Kaiser-Franz-Joseph-Straße erschossen. Gerüchte, sein Onkel hätte ihm die nicht standesgemäße Hochzeit nie verziehen, verbreiteten sich damals – als würde ein Fluch auf ihm liegen. Dieses Unglück zog eine verheerende Wirkung nach sich: die Kriegserklärung an Serbien, die – ähnlich wie fallende Dominosteine – weitere Kriegserklärungen auslöste und in den ersten Weltkrieg mündete, die sogenannte „Tragödie Europas“, der Zerfall eines Reiches. 

 

Kaiser Franz Joseph verstarb 86-jährig an einer chronischen Entzündung der Atemwege, die sich zu einer Lungenentzündung ausweitete, jedoch arbeitete er trotz anhaltendem Fieber bis zu seinem Tod im November 1916 und entschlief – als einer der wenigen Habsburger – in seinem Bett.

 

Karl I., der letzte Kaiser von Österreich (1916-1918), starb an einer schweren Lungenentzündung 1922 im Alter von nur 34 Jahren.

 

Ob sich der Fluch und somit die Rache erfüllt hat, lässt sich nicht sagen, jedoch endete mit Karls Tod das seit 645 Jahren regierende Herrschaftsgeschlecht der Habsburger. Seither sind die auf der ganzen Welt verbliebenden Habsburger von großen Schicksalsschlägen verschont geblieben. Der angedachte Thronfolger Otto von Habsburg unterschrieb 1961 seine Thronverzichts- und Loyalitätserklärung und war bis zu seinem Tod für ein geeintes Europa. Für ihn war die Überwindung von Totalitarismus und Nationalismus sowie das Selbstbestimmungsrecht der Völker entscheidend. Er verstarb 98-jährig im Jahr 2011.

 

Ob die Habsburger mit einem Fluch belegt worden sind, werden wir wohl nie herausfinden, jedoch werden wir niemals vergessen, dass die Habsburger – mit all ihren Schicksalsschlägen – für die Entwicklung Europas eine entscheidende Rolle gespielt und das heutige Europa geprägt haben. Im 21. Jahrhundert befinden wir uns in einer Zeit, in der sich die europäische Einigung immer mehr ihrer Vollendung nähert und dies war wohl auch der ursprüngliche Gedanke der Habsburger.

 

Wir wünschen Euch noch einen schaurigen Abend!

 

Euer ArchäoNOW - Team


Text:

Manuela Supan, BA.

Teil des ArchäoNOW-Teams und Studentin der "Urgeschichte und Historischen Archäologie" 

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