Der Ursprung aller weiblichen Vampire- der Vampir Elisabeth Báthory


Durch ihre Grausamkeit wurde Bram Stoker zu seinem Roman „Dracula“ inspiriert und sie gilt bis zur heutigen Zeit als Urmutter aller weiblicher Vampire – Elisabeth Báthory. 

 

Um diese Blutgräfin ranken sich viele Mythen und Legenden: sie war Jungfrauen- und Serienmörderin, Hexe und blutrünstiger Vampir. All das wird ihr angelastet, doch was entspricht der Wahrheit und was gehört ins Reich der Legenden? Kann man von ihr wirklich als die größte Serienmörderin aller Zeiten sprechen? Und was hatte die ungarische Gräfin mit Wien zu tun? 

Der Wahnsinn liegt in den Genen

Eine Heiratspolitik innerhalb der Familie war früher nicht nur bei den Habsburgern üblich, sondern bei fast allen hochadeligen Häusern, um die Blutlinie, die familiären Liegenschaften und Besitztümer aufrecht zu erhalten und hohe Ämter innerhalb der Familie zu wissen. Dieser Praxis bediente man sich auch im Haus der Báthory von Ecsedso, hatte jedoch geistige und körperliche Beeinträchtigungen zur Folge. So war Elisabeths Bruder Stephan für seine Alkoholexzesse und als Schürzenjäger bekannt. Elisabeths Tante Klara war nymphomanisch veranlagt, hatte sexuelle Neigungen und Spaß mit Männern als auch Frauen und ließ ihren zweiten Ehemann von ihrem Liebhaber ermorden. Aus Langeweile ließ Sigismund Báthory unschuldige Leute hängen und ihr Neffe Gabor Báthory war ein verhasster Frauenheld und erlag einem Attentat. 

 

Franz Nádasdy (Bildrechte MNM Budapest)
Franz Nádasdy (Bildrechte MNM Budapest)

Trotz dieser dubiosen Familiengeschichten war die 1560 geborene Elisabeth Báthory aufgrund ihrer reichen Besitztümer und der hohen Ämter innerhalb der Familie unter dem Hochadel eine sehr begehrte Braut.

 

Im Alter von 15 Jahren ehelichte sie Franz Nádasdy von Fogarasföld. Er kämpfte gemeinsam mit Vlad III. Drăculea gegen die Türken, ging in die Geschichte als der „Türkenschlächter“ und „schwarze Ritter“ ein, und wurde als großer Kriegsheld angesehen.

 

Nach der Heirat gebar Elisabeth erst sehr spät – mit 25 Jahren – ihr erstes Kind: eine Tochter. Dann folgten eine Tochter und ein Sohn, die beide früh verstarben, danach kam noch eine Tochter und erst mit 38 Jahren gebar sie den Haupterben. 

Die Anfänge des Mythos Vampir Báthory

Elisabeth Báthory war für ihre hohe Bildung, sie sprach Ungarisch, Latein, Griechisch und Deutsch fließend – im 16. Jhdt. äußerst ungewöhnlich – bekannt und sah den Körper als heiligen Tempel an und verbrachte den halben Tag damit, sich um ihre allseits bekannte Schönheit zu kümmern. 

 

Doch mit etwa 25 Jahren spiegelte sich erstmals ihr Hang zur Grausamkeit wider: ihre Dienstmädchen wurden für jede Kleinigkeit drakonisch bestraft. Das war damals nichts Außergewöhnliches, auch ihr Gemahl wusste davon, gebot ihr aber keinen Einhalt. Es kümmerte einfach niemanden, wie seine Frau mit dem "Gesindel" verfuhr. 

Darstellung von Elisabeth Báthory (Bildrechte: T Aurora Walderhaug)
Darstellung von Elisabeth Báthory (Bildrechte: T Aurora Walderhaug)

Mit 30 Jahren begannen die Folterungen mit Todesfolge. So wurden den Mädchen die Arme mit „Wiener Garn“ umgewickelt und rücklinks so stark abgebunden, dass die Haut leichenblass wurde. Auf die bewegungsunfähigen Opfer wurde so lange eingeschlagen bzw. sie wurden so lange ausgepeitscht, bis die Körper anschwollen und das Blut spritzte. Das erklärt auch die blutleeren, blassen Leichen, die den Vampir-Mythos später weiter aufheizten.

 

Die Morde wurden im Laufe der Zeit immer mehr. Für die Folterungen und die Entsorgung der Leichen hatte sie ihre fünf engsten Vertrauten und Diener: János Ujváry, Ficzkó (dt. Bürschchen) genannt, Katharina Benetzky, Helene Jó, Dorothea Szentes, genannt Dorkó, und Anna Darvulia. Elisabeth folterte ihre Opfer zwar, jedoch morderte sie nicht selbst: zwei Jahrzehnte lang ließ sie Dienstmägde und andere junge Mädchen ermorden.

Dies geschah auch nicht in den Kellergewölben von Csejte, sondern überall, wo es gerade passend erschien und praktikabel war, wie etwa in der Waschküche, im Schlosshof, in der Küche, in Flüssen, sogar während Kutschenfahrten.

 

Mit Darvulia mehrten sich die Morde und auch die Foltermethoden wurde bestialischer. Zu Beginn wurden die Mädchen noch religiös bestattet und mit einer natürlichen Todesursache gerechtfertigt. Als die Skepsis wuchs, wurden die Toten nur noch verscharrt.

Nach dem Tod ihres Mannes 1604 reiste Elisabeth nach Cachtice, ungarisch Csejte, siedelte ins Kastell, nahm die Gerichtbarkeit komplett in die Hand und verwaltete als Familienoberhaupt ihre Besitztümer. Das war für damalige Zeiten ungewöhnlich und rief sowohl Missgunst als auch Neid hervor. Dies spielte sicherlich bei ihrer Verhaftung eine tragende Rolle. Sie hatte in Ungarn, in der Slowakei sowie in Österreich Lehen und Burgen. Neben Schloss Deutschkreutz, Burg Forchtenstein, Burg Landsee und Burg Lockenhaus hatte sie auch einen Sommersitz in Wien, genau genommen im 1. Bezirk in der Augustinerstraße 12. Es handelt sich um eines der Häuser, welche nur durch den Innenhof zugänglich sind. Diesen besuchte sie vier Wochen nach dem Tod ihres Mannes.

Natürlich gingen dort das Foltern und Morden weiter. Erzählungen zufolge haben Mönche aufgrund der Folterschreie mit Töpfen die Fenster eingeschlagen, jedoch hielt das die Blutgräfin und ihre Handlanger nicht davon ab, weiter zu foltern. Laut Legenden hört man noch heute die Vampir-Gräfin an der Eingangstür kratzen...Traut ihr euch diesen Mythos mit unserer Rätselrallye Die schaurige Stadt zu testen?

Das Ende der Vampirgräfin 

Aufgrund ihres hohen Ansehens und ihrem Reichtum wurde lange Zeit nichts gegen Báthory unternommen, obwohl die umliegende Bevölkerung von den Folterungen und toten Mädchen wusste. Sogar Georg Thurzó war ein langjähriger, enger Freund Elisabeths. Doch niemand wagte es, die Hand gegen sie zu erheben. 

Porträt der Elisabeth Báthory. Unbekannter Künstler
Porträt der Elisabeth Báthory. Unbekannter Künstler

Aber das Blatt wendete sich. Aus den umliegenden Dörfern war es immer schwieriger geworden, Mädchen zu holen, somit reisten ihre Helfer immer weiter, um noch ahnungslose Opfer zu finden.

 

Nach der Zeit ging ihr langsam das Geld aus, daraufhin schrieb sie dem Kaiser – der Schulden bei ihr hatte – eine Mahnung. Sie sah Zeit ihres Lebens keinen einzigen Gulden vom ihm, jedoch fiel sie in seine Missgunst.

Und als sie den Rat ihrer nun erblindeten Dienerin Anna Darvulia in den Wind schlug und adelige Mädchen aufnahm, die sich eine gute Ausbildung erhofften, um in höhere Kreise heiraten zu können, nahm das Schicksal seinen Lauf: das Verschwinden adeliger Mädchen konnte nicht mehr ohne Konsequenzen geduldet werden.

Im Jahr 1610 begann Thurzó sowohl mit den Vorbereitungen für ihre Verhaftung als auch mit Zeugenbefragungen. Ihre wichtigsten Vertrauten wurden, bis auf Dravulia, da diese bereits verstorben war, unter Folter zu Geständnissen gezwungen.

 

Insgesamt gab es 306 Zeugenverhörungen. Ende Dezember drang Thurzó mit Soldaten in das Kastell ein und überraschte die Blutgräfin bei frischer Tat. Sie wurde in der Burg eingesperrt und bewacht. Im Jänner 1611 fand der kurze Gerichtsprozess gegen Elisabeth statt, sie selbst durfte zu keiner Verteidigung ansetzen, beharrte jedoch bis zuletzt auf ihre Unschuld. 

Elisabeth wurde zu ewiger Gefangenschaft auf dem Schloss Čachtice verurteilt. Sie war bis zu ihrem Tod am 21. August 1614 bei klarem Verstand. Ob sie nun tatsächlich eingemauert oder in einem Turm bzw. Zimmer eingesperrt worden war, ist bis heute nicht belegt.

Die Fakten hinter der Legende

Die Zahl ihrer Oper variiert zwischen 37 und 650. Es soll ein Verzeichnis der Gräfin gegeben haben, jedoch wurde diese Liste nie gefunden. Ein Überblick ist schwierig, durch die lange Zeitperiode könnte diese Zahl jedoch realistisch sein.

 

Zu ihrem Ruf als blutdürstige Vampirgräfin kam Elisabeth wahrscheinlich durch die Veröffentlichung der „Tragica Historia“ vom Jesuitenpater László Turóczi im Jahr 1729. In diesem schildert er in ausgeschmückter Manier ihren Durst zum Jungfrauenblut und ihre Blutbäder, die jedoch in den originalen Prozessakten kein einziges Mal erwähnt werden. Somit kann die Mythenbildung der blutbadenden Vampirgräfin Turóczi zugeschrieben werden: ganz Europa war 1732 einer Vampirhysterie verfallen und so war es passend, dass Báthory als Beweis für Existenz von Vampiren galt. 

 

Mit der Frage, warum sie solch Gefallen daran fand, andere zu foltern, beschäftigt sich die Psychologie noch heute – Jahrzehnte nach ihrem Tod. Manche sehen den Beginn in ihrer Kindheit, andere schreiben es sexuellen Praktiken zu. Was wirklich in ihrem Kopf vorging, wird uns wohl für immer verborgen bleiben.

 

Wie viele Opfer es nun wirklich gegeben hat, werden wir wohl nie erfahren. Fakt ist, dass zur damaligen Zeit viele Mädchen verschwunden sind und Elisabeth Báthory als auch ihre gesamte Familie einen Hang zum Wahnsinn und zur Grausamkeit hatten. Daher ist in ihrer Geschichte sicherlich ein Körnchen Wahrheit enthalten…


Text:

Manuela Supan, BA.

Teil des ArchäoNOW-Teams und Studentin der "Urgeschichte und Historischen Archäologie" 

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