Weltfrauentag - die Gedanken einer Frau der heutigen Zeit


Anlässlich des Internationalen Frauentages am 08.03. habe ich beschlossen, ein paar Gedanken mit euch zu teilen. Ein ewiger Kampf scheint er mir, der Kampf um die Gleichberechtigung. Werden Männer und Frauen denn jemals die gleichen Rechte haben?

 

Erst seit 100 Jahren haben Frauen ein Wahlrecht in Ö
Erst seit 100 Jahren haben Frauen ein Wahlrecht in Ö

Am 16. Februar 1919 war es Frauen zum ersten Mal erlaubt zu wählen. Das war gerade mal vor 100 Jahren. Klingt viel, ist für einen Archäologen aber nicht einmal ein Wimpernschlag. Man bedenke: Sogar eure Ur-Omi und euer Ur-Opi haben das damals noch miterlebt.

Wenn ich mir vorstelle, ich hätte als selbstbestimmte Frau um die Jahrhundertwende gelebt, müsste ich wohl damit rechnen ausgelacht, verstoßen oder sogar verhaftet zu werden.

Ich denke an Adelheid Popp, die Ikone der österreichischen Arbeiterbewegung, Clara Zetkin, die deutsche Revolutionärin, und Hildegard Burjan, Pionierin der bürgerlichen Politik – sie haben für Selbstbestimmtheit, fairen Lohn und das Wahlrecht für Frauen alles riskiert. Erfolgreich?

Heute, ganze 100 Jahre später, sind wir von einer Gleichstellung der Geschlechter nach wie vor weit entfernt. 36% beträgt der Frauenanteil in der Spitzenpolitik, im EU-Durchschnitt sind es sogar nur 29%. In Schweden und Finnland sieht es mit einer Frauenquote von mehr als 40% schon besser aus. Das Schlusslicht bilden Malta und Ungarn. Doch nicht nur im Bereich der Politik ist ein deutliches Ungleichgewicht sichtbar, es scheint als würde es wieder Trend, sich als Frau in Abhängigkeit zu begeben.

Die ideale Frau - was heißt das überhaupt?
Die ideale Frau - was heißt das überhaupt?

Frauen gehen wieder vermehrt bewusst in die ganz gewöhnliche Mutterrolle und der Mann dient als Ernährer der Familie. Ab dem Moment in der Geschichte, in dem Frauen ihre Fruchtbarkeit selbst kontrollieren und ihr eigenes Geld verdienen konnten, erhöhte sich der Druck auf sie, ein gewisses Mutterbild zu erfüllen. Die einen werden sozial geächtet weil sie keine Kinder haben, gelten regelrecht als Rabenmütter, wenn sie neben den Kindern ihre Karriere weiter verfolgen, die anderen werden sozial unterdrückt, weil sie doch nur zu Hause bei den Kindern und wirtschaftlich abhängig sind. Emanzipation ist bisher nicht gelungen. Vor allem bei weniger privilegierten Frauen ist sie nicht angekommen, obwohl diese sie doch am nötigsten hätten, wie z.B. die Alleinerziehendenhaushalte. Wie kann Emanzipation erfolgreich sein, wenn Frauen noch immer wirtschaftlich abhängig sind? Finanzielle Einbußen sind hier die Regel, so bekommen Frauen 40% weniger Pension. Viele sehen keine Möglichkeit sich im höheren Alter von ihrem Partner zu trennen, aus Angst nicht überleben zu können. Das betrifft nicht nur Personen mit Migrationshintergrund, sondern durchaus auch den Mittelstand.

Man vergisst oft, dass eine konservative Wende aber auch für die Männer in unserer Gesellschaft eine große Belastung bedeutet. Wollen Männer überhaupt eine Alleinverdienerrolle einnehmen? Eine solche bringt zwar Macht, aber auch sehr viel Druck. Männer werden dabei ebenso in ihren Entfaltungsmöglichkeiten beschränkt, wenn es denn heißt, eigentlich ist der Vater in der Kindererziehung ohnehin verzichtbar. Auch das ist eine Geschlechtsdiskriminierung. Viele Männer finden sich in einer Identitätskrise: Was ist ein Mann in der heutigen Zeit? Was haben wir für ein Männerbild?

Es scheint sich außerdem fast eine Art Nüchternheit in der Gesellschaft auszubreiten. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen wird dies in den Daten neuer Studien an der Europa-Universität Flensburg deutlich. Die jungen Teilnehmer wurden gefragt: Wie stellt ihr euch euer Leben als Erwachsener vor? Die Antworten waren überraschend: Das Thema Angepasstheit fällt massiv auf, die Probanden wünschen sich vorrangig ein materiell abgesichertes Leben und sehen es in ihrer eigenen Verantwortung aus ihrem Leben etwas zu machen. Nur die absoluten Ausnahmefälle üben Kritik an der Gesellschaft oder der Politik.

 

Wo bleiben die Aufmüpfigkeit und das kritische Hinterfragen? Friedensbewegungen, Feminismus und Emanzipation – Jugendliche könnten sich einbringen in das politische System, in Verbände, in Parteien. Was die Studie zeigt ist, dass ein großer Druck auf jungen Menschen lastet, vor allem was die Berufswahl betrifft. Gleichzeitig legen die Jugendlichen aber auch eine merkwürdige Zufriedenheit mit der Gesellschaft an den Tag und geben sich selbst die Schuld, wenn sie dem Druck nicht standhalten. 

Gleichberechtigung: Der erste Schritt ist getan, doch es ist noch ein langer Weg.
Gleichberechtigung: Der erste Schritt ist getan, doch es ist noch ein langer Weg.

Ich für meinen Teil wünsche mir viel mehr Aufklärung und Sensibilisierung der Gesellschaft zu weiblichen Themen. Und ich hoffe, dass die Vorarbeit all der tapferen Frauen in der Geschichte, die in ihrem Leben alles riskiert haben um die Zukunft zu verbessern, mehr tapfere Nachfolgerinnen haben werden.

 

Wir sind noch lange nicht dort angelangt, wo wir hin wollen im Kampf für die Gleichberechtigung – also auf auf ihr Frauen und Männer, wir wollen mehr!


Text:

Mag. Miriam Weberstorfer

Gründerin von ArchäoNOW

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